Meilensteine in der Geschichte des Welterbes Sardona

Schritte durch die Zeit

Vom Sternenstaub zu uns

Heute ist die Region am Kantonsdreieck Glarus, Graubünden, St.Gallen ein UNESCO-Weltnaturerbe. Die Glarner Hauptüberschiebung ist ihr zentrales und weitherum sichtbares Merkmal, das Einblick gibt in die jahrmillionenalte Entstehungsgeschichte der Alpen.

400 Mio. Jahre vor heute

Der Superkontinent Pangäa bildet sich: Durch die variszische Gebirgsbildung wird er zusammengeschweisst. Sie dauert bis gegen 280 Mio. Jahre vor heute an.
 
 


 

340 bis 290 Mio. Jahre vor heute

Die meisten Granite der Alpen werden gebildet: Bei der variszischen Gebirgsbildung entstehen grosse Mengen Granitschmelzen, die zu grossen Granitkörpern erstarren.
 

Grobkristalliner Puntegliasgranit aus der Tödiregion
 

333 Mio. Jahre vor heute

Der Tödigranit wird während der variszischen Gebirgsbildung in der Tiefe gebildet. Dank radiometrischer Altersbestimmung kann das Alter genau auf 333 Mio. Jahre vor heute datiert werden.
 

300 Mio. Jahre vor heute

Der Zentrale Aaregranit wird während der variszischen Gebirgsbildung in der Tiefe gebildet. Dank radiometrischer Altersbestimmung kann das Alter genau auf 300 Mio. Jahre vor heute datiert werden.
 

um 300 Mio. Jahre vor heute

Gegen Ende der variszischen Gebirgsbildung gibt es einen globalen Riesenkontinent Pangäa, die Schweiz liegt an dessen Rand.
 
 


 
 
 

um 280 Mio. Jahre vor heute

Als Vorboten eines Zerreissens von Pangäa bilden sich im Landesinneren Tröge mit Vulkanen. Zwischen 300 und 250 Mio. Jahre vor heute bilden sich durch Ablagerung von groben Sedimenten und Vulkangesteinen in diesen kontinentalen Trögen Verrucanogesteine.
 

Verrucano, Martinsrössli Elm
 
 


 
 
 

um 235 Mio. Jahre vor heute

Vor dem Aufreissen von Pangäa senkt sich das Gebiet der zukünftigen Alpen langsam ab. Im tropischen Flachmeer werden Gesteine wie Dolomit gebildet. So wird zum Beispiel der Rötidolomit als tropischer Küstenschlamm am Rand des sich öffnenden Tethysmeeres zwischen Afrika und Europa abgelagert. Zwischen 240 und 201 Mio. Jahre vor heute ist die Hauptzeit der Dolomitbildung.
 

Alte Saurierspuren im Rötidolomit in der Tödiregion.
 
 


 
 
 

ab 200 Mio. Jahre vor heute

Ab ca. 200 Mio. Jahre bis 100 Mio. Jahre vor heute bilden sich zwischen Afrika und Europa Meeresbecken, die sogenannten Tethysmeere. Darin werden die zukünftigen alpinen Sedimentgesteine abgelagert.
 

Ausschnitt aus einem Lias-Sandstein. Gut erkennbar sind die hellen Trümmerteile aus reinem Kalk, die von Seeliliengerüsten stammen.
 
 


 
 
 

190 Mio. Jahre vor heute

Die ältesten erhaltenen Fossilien von Schmetterlingen wurden in 190 Mio. Jahre altem Gestein gefunden. So lange schon gibt es diese kleinen wunderschönen Flattertiere!
 
 


 
 
 

um 150 Mio. Jahre vor heute

Mächtige Kalksteinablagerungen aus der oberen Jurazeit zwischen 155 und 145 Mio. Jahre vor heute bilden im Jura und in den Alpen markante Kalksteinwände und -berge.
 
Der Quintnerkalk wird während wenigen Millionen Jahren in tieferen Becken des subtropischen Tethysmeeres abgelagert.
 

Quintnerkalk-Block mit einer hellen, bläulich-grauen Verwitterungsfarbe. Durch den Kalkblock verläuft eine graue Mergelschicht. Sie entstand, als sich eine zeitlang feiner Ton mit reinem Kalk mischte.
 
Um 130 Mio. Jahre vor heute wird der Schrattenkalk als markante Kalksteinschicht im Bereich der zukünftigen Alpennordseite gebildet. Heute formt er markante Grate und Wände.
 

Stark zerfurchte Karrenfelsen im Schrattenkalk in der Silbernregion.
 
Das älteste bekannte Makrofossil einer Blütenpflanze wurde in 125 Mio. Jahre altem Gestein gefunden und lässt auf erste Blütenpflanzen schliessen. Ab jetzt wird die Welt viel bunter!
 
Um ungefähr 120 Mio. Jahre vor heute beginnt sich der Südatlantik zu öffnen. Afrika rückt wieder gegen Europa vor. Dies ist er eigentliche Beginn der Alpenbildung.
 
 


 
 
 

um 45 Mio. Jahre vor heute

Die Kollision zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent findet statt. Die Platten beginnen sich zu verzahnen. Es bilden sich Decken und Hochdruckmetamorphose findet statt. Der genaue Zeitpunkt variiert je nach Bereich der Alpen.
 
Zwischen 40 und 30 Mio. Jahre vor heute lagern sich der Engi-Schiefer und Matter Sandstein als sogenannte Flyschsedimente im Randmeer nördlich der entstehenden Alpen ab.
 

Die Engi-Schiefer enthalten einzigartige Fossilien wie dieser Kaninchenfisch (Protosiganus glarisianus), die in bedeutenden Museen der Welt gezeigt werden.
 

Die Matter Sandsteine wurden hauptsächlich als „Bsetzisteine“ verwendet.

 
Bei der Alpenbildung wird nur wenig Granitmagma gebildet. Der Bergeller Granit ist einer der wenigen echt alpinen Granite. Sein Intrusionsalter konnte radiometrisch auf 30 Mio. Jahre bestimmt werden.
 
 


 
 
 

um 25 Mio. Jahre vor heute

Die helvetischen Denken entstehen: Zwischen 30 und 20 Mio. Jahre vor heute werden in Tiefen von 10 bis 20 km die helvetischen Sedimentgesteinsdecken übereinander geschoben und verfaltet. In 15 bis 20 km Tiefe entsteht bei ungefähr 350° C die Glarner Hauptüberschiebung.
 

An der Lochsite oberhalb Schwanden GL ist die Glarner Hauptüberschiebung heute sichtbar.
 
Von ca. 35 bis 12 Mio. Jahre vor heute wird die Molasse gebildet: Die sich heraushebenden Alpen werden erodiert und das Abtragungsmaterial wird in Molassebecken im Alpenvorland abgelagert, beispielsweise der Berner Sandstein.
 
 


 
 
 

um 15 Mio. Jahre vor heute

Vor 20 bis 10 Mio. Jahre vor heute ist die Hauptphase der Kluftbildung. Im sich langsam hebenden Gebirgskörper kristallisieren Mineralien in aufreissenden Spalten (Zerrklüften) aus und bilden Bergkristalle, zum Beispiel die Bergkristalle von Elm.
 
Zwischen ungefähr 11 und 3 Mio. Jahre vor heute wird als eine der letzten Auswirkungen der Alpenbildung das Juragebirge gefaltet – im Gegensatz zu den Alpen ist das Juragebirge ein echtes Faltengebirge.
 
 


 
 
 

ab 2,6 Mio. Jahre vor heute

Bereits zuvor gab es starke Klimaschwankungen. Ab ca. 2,6 Mio. Jahre vor heute gibt es jedoch ausgedehnte Vereisungen, die sogenannten Eiszeiten. Auf der Nordhalbkugel wechseln sich die grossen Kaltzeiten mit Zwischen-Warmzeiten ab.
 
Vor 25’000 Jahren (0,025 Mio. Jahre vor heute) zeigt die jüngste Eiszeit ihren Höchststand. Das heutige Glarus liegt unter 1 km Eis.
 
1881 erreignet sich der Bergsturz von Elm. Zahlreiche Dokumente und Berichte beschreiben diesen katastrophalen Abbruch, der durch unsachgemässen Schieferabbau verursacht wurde.
 

In der Abrissnische des Bergsturzes östlich des Dorfes Elm (oben rechts der Bildmitte) sind die dunkelgrauen Schiefer der Elm-Formation gut erkennbar.
 

 


 
 
 

2008

Manches ist so wertvoll, dass es unter den Schutz der gesamten Menschheit gestellt wird: So wird die Region rund um den Piz Sardona im Jahr 2008 als Tektonikarena Sardona in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen und spielt damit in der gleichen Liga wie der Grand Canyon (USA), die Galapagos Inseln (Ecuador) oder das Great Barrier Reef (Australien). Folgende drei Eigenschaften machen diese Region weltweit einzigartig:

  • Die Sichtbarkeit der Phänomene der Gebirgsbildung in einer ursprünglichen und vielfältigen Berglandschaft.
  • Die spannende Forschungsgeschichte.
  • Die anhaltende Bedeutung für die geologische Forschung.

 

Tschingelhörner mit der Glarner Hauptüberschiebung – das Herzstück des Welterbes Sardona.